Ich musste kurzfristig den heutigen Beitrag ändern, da der Text zu Maxim und Fjodor das Format der Startseite zerschoss.

Was lässt William Gibson eigentlich so weit aus der Masse der anderen Autoren von „im weitesten Sinne) fantastischer Literatur herausragen? Zwei Dinge: die Sprache und die Komposition.

Gibsons Sprache ist, obwohl sie sich auf den ersten Blick kaum vom Standard-Englisch unterscheidet, werkgebundene Neuschöpfung. Gibson gehört zu den ganz wenigen kaum übersetzbaren Autoren, auf Deutsch lesen seine Romane sich schrecklich künstlich. Gibson hat sich einen genialen Rhythmus aus kurzen, gehetzten, wie stählernen dastehenden Sätzen geschaffen, die er mit Bildern kombiniert, direkt aus der Sphäre des upgefuckten retro-techno Mix seiner Welt geschöpft (etwa der berühmte Auftakt von Neuromancer: „ The sky above the port was the color of television, tuned to a dead channel“).

Das Prinzip wird auf der Ebene der Komposition wieder aufgegriffen. Auch hier werden kurze Kapitel, durch die man nur so durch fliegt, in mehreren längeren Hauptkomplexen geordnet, wobei zwischen den Abschnitten gern freie halbe und ganze Seiten gelassen werden. Selbst das trägt noch zum Eindruck von Temporeichtum bei. Geschickt werden dabei einzelne Stränge fallen gelassen und wieder aufgegriffen, die Gliederung von Neuromancer (samt „Coda“) lässt vermuten, dass Gibson sich der Anleihen bei der klassischen Musik bewusst ist.

Das alles verschwistert sich in Neuromancer aufs Vorteilhafteste mit dem Setting des Buches, das der Gelegenheitsleser womöglich als einzige Qualität des Werkes ausmacht. Aber das Thema würde ohne diese sprachliche Durchdringung des Ganzen nicht funktionieren. Das ist dann übrigens auch der Grund, warum Gibson (und Dick, der bezüglich seines Werkes sprachlich ähnlich konsequent vorgeht, oder auch LeGuin) längst als Literaten gefeiert werden, während andere Fantastiker oft eben tatsächlich „nur“ Geschichten erzählen.

Bild: gemeinfrei

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