Den Artikel habe ich vor drei Jahren schon einmal veröffentlicht, als diesen Blog noch niemand kannte. Aber immer wieder erreicht man mich über Gegoogle zum Osterspaziergang aus der Faustinszenierung von Gustav Gründgens, obwohl ich über eine ganz andere Szene geschrieben habe.
Daher das Ganze nochmal, sprachlich leicht aktualisiert und mit Bild.
Ein interessantes Detail dieser Inszenierung ist, dass sie bereits im Prolog im Himmel Adornos Interpretation der „wettentscheidenden“ Worte Faustens im 2. Teil der Tragödie

„Solch ein Gewimmel möcht‘ ich sehn,
Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn.
Zum Augenblicke d ü r f t‘ ich sagen:
Verweile doch, du bist so schön!
Es kann die Spur von meinen Erdetagen
Nicht in äonen untergehn.—“

zu folgen scheint.

Adorno nämlich legt nahe, dass all die Sophistereien um den Konjunktiv (Faust habe den Augenblick nicht gepriesen, sondern nur die Möglichkeit dessen ins Auge gefasst) Unsinn seien, da Gott von Anfang an über solch weltlichen Dingen wie einer Wette stehe. Das ist durchaus überzeugend, denkt Mephisto doch in durch und durch weltlichen Kategorien, ist ein Geist des Vertrages und des Tausches, Goethe-Biograf Rüdiger Safranski nennt ihn gar das „personifizierte Realitätsprinzip“. Und genau diese Sichtweise macht Gründgens stark, wenn er Mephisto in den Zeilen

“ Schon gut! nur dauert es nicht lange.
Mir ist für meine Wette gar nicht bange.
Wenn ich zu meinem Zweck gelange,
Erlaubt Ihr mir Triumph aus voller Brust.
Staub soll er fressen, und mit Lust,
Wie meine Muhme, die berühmte Schlange.“

Das „meiiiiiiiine“  mit Vehemenz herausheben lässt. Gott wettet nicht. Das Spiel ist von Anfang an eine Grille des Teufels.

Bild: gemeinfrei

Ebenfalls zu Ostern in Faust schaut Bücherbar.

Und Zwischen zwei Flügelschlägen gibt es einen weiteren literarischen Osterspaziergang

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