Höllenjazz mit Ulf Kubanke: Literatur/Musik Crossover für DieKolumnisten

Höllenjazz in New Orleans von Ray Celestin hat zwar einen unnötig marktschreierischen Titel, ist mehr als nur ein guter Krimi. Ich habe mir den Titel zum Deutschlandstart angeschaut und als musikalische Verstärkung den Hörmal-Kollegen Ulf Kubanke mit ins Boot geholt, der atmosphärische Begleittracks zusammengestellt hat. So entstand die erste kollaborative Literatur/Musik-Kolumne für DieKolumnisten:

(…) New Orleans entsteht im Roman plastisch als multikulturelle Metropole, die von einem Netzt allgegenwärtiger Verdächtigungen durchzogen wird, das vor allem entlang ethnischer Linien verläuft. Mit bildhaften Beschreibungen steckt Celestin die Atmosphäre ab, etwa:

„Mitten auf dem Markt drängten sich die Kunden um die Stände der Bauern; es war Mittagszeit, und in der Ferne rollte eine Werbekutsche eine Straße hinunter, auf deren Pritsche ein Jazzensemble spielte, um die Aufmerksamkeit der Menschen zu erregen.
Die Jazzklänge vermischten sich mit den Liedern der Händler, und Ida überlegte, ob es in anderen Städten auch so war, dass die Musik sich immer Gehör verschaffte, dass sie entweder nah und ungestüm oder weich und fern durch die Straßen geisterte. Sie dachte an den kreolischen Ausdruck gumbo ya-ya – gumbo bedeutete »Mischung«, und ya-ya hieß »reden«, und zusammen hieß das »alle reden gleichzeitig«.“

Doch zum Glück belässt er es nicht dabei. Die gespaltene Stadt ist in Höllenjazz nicht Folklore, sondern in den Äußerungen und Handlungen von Haupt und Nebencharakteren gegenwärtig und nicht zuletzt von unmittelbarem Einfluss auf die Handlung. Wie die sozialen und ethnischen Spannungen die Vorstellungen vom Axeman prägen wurde bereits angerissen. Und auch die Protagonisten haben sich mit den allgegenwärtigen Vorurteilen und dem Rassismus des Deep South auseinander zusetzen. So ist etwa Polizist Michael erpressbar, da er mit einer Schwarzen zusammen lebt. Ermittlerin Ida hat selbst schwarze Vorfahren und wurde aufgrund der One-Drop-Rule bei der Polizei abgelehnt. Aber auch in den Schwarzenvierteln wird sie kritisch beäugt.

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