N’Diayes Ladivine – Spannende Perspektivverschiebung / Zuviel Aufzählung

Es ist schon faszinierend, welch konsequentes Tell-don’t-show Marie N’Diaye in diesem Roman praktiziert. Die Erlebnisse dreier Generationen werden größtenteils in kurzen Absätzen ohne jegliche Visualisierung oder Auflockerung durch Dialoge erzählt. Als läse man eine Chronik oder eine Vorstudie zu einem Roman.

Das hat den Effekt, dass die Momente, in denen eine Situation tatsächlich gegenwärtig gemacht wird, sehr eindringlich heraus stechen. Aber es verhindert eben doch nicht, dass man den Rest zu überfliegen geneigt ist. Dabei hat „Ladivine“ durchaus seine Stärken. Die Art und Weise, wie das kaputte Verhältnis der Charaktere zueinander in den Namen ausgedrückt wird, überzeugt: So spricht etwa die Tochter Clarice, die eigentlich Malinka heißt, von ihrer Mutter je nachdem, was ausgedrückt werden soll als „Mutter“ oder „die Dienerin“, von sich selbst mit dem alten oder dem neuen Namen usw usf.
Bzw.: Die Erzählerin spricht so, je nachdem auf welchem Aspekt Malinkas/Clarices gerade der Fokus liegt. Auch das Einsickern von surrealen Momenten, so die vielfach gelobte Hundesymbolik etwa, ist sehr effektvoll, gerade weil der Rest des Romans so nüchtern daher kommt. Gleiches gilt für die vielleicht etwas überbetonten Schicksalsschläge.

Ein Roman, den man also durchaus lesen kann, für einen Roman den man lesen MUSS gibt es zu viele Passagen, die wie reiner Torso wirken.

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