500 Miles. Spielereien zu Lied, Staat & Freiheit

Grad im Lebensmittelmarkt gehört:

„I’ll be free, I’ll be free, I’ll come home to my country
Some day soon the tide will turn and I’ll be free“

(aus: Hooters, 500 Miles)

free – my country

interessante, durchdenkenswerte Zeilen. Die widerspruchsfreie Lösung: Country meint einfach irgend eine Landschaft, der sich das lyrische Ich verbunden fühlt. Für mich unwahrscheinlich: In der Kombination „my country“ ist das Wort, wenn auch nicht eindeutig, durchaus stark mit Bedeutung aufgeladen.

Oder: Das „Ich“ denkt Freiheit dialektisch. Die Bedingung eines Staatswesens, das Freiheiten garantiert, das komplexe Zusammenspiel von Freiheit und Sicherheit wird angeschnitten. Allerdings kaum auf den Begriff gebracht. Nunja… unwahrscheinlich, nicht?

Wahrscheinlicher: Beide Begriffe werden naiv und unreflektiert zueinander gestellt, dass die Bindung des „Ich“ an ein Land oder Staatswesen, angezeigt durch das besitzanzeigende Fürwort „my“ (in dem immer auch negativ die Wahrheit über den Besitz des Staates am Leben des Einzelnen mit anklingt) zumindest potentiell der Idee „I’ll be free“ heftig entgegen laufen kann, kommt überhaupt nicht in den Sinn. Das scheint mir die Standardhaltung der meisten, die heute enthusiastisch von Freiheit reden.

Marginale weitere Möglichkeiten: Das lyrische Ich ist ein König und kehrt ins eigene Land zurück, oder das lyrische Ich denkt my country im Sinne von Woodie Guthrie „this land is your land, this land is my land“ – dann allerdings käme das Aushandeln bzw -kämpfen der Möglichkeiten von Freiheit erst noch… 500 Miles wäre ein utopischer Song.

Spannend aber auch, wie all das vorherige, vom Songwriter höchstwahrscheinlich unbedachte, sich in der Form spiegelt. Denn tatsächlich gibt sich hier jemand so radikal „free“ immerhin, mit gestaltender Gewalt das Wörtchen free auf die letzte, eigentlich kaum betonte Silbe von cóuntry zu reimen (also: countrý – can you do that to the flag!?), und ist gleichzeitig doch so dem Reimzwang der Popmusik und des traditionellen Volksliedes verfallen, dass noch die genommene Freiheit zum Holperreim eine ist, die wiederum aus Unfreiheit erwächst.

Bild: Flickr, Public Domain (zugeschnitten)

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