In Verteidigung der Serie COUPLING

Hinter den kantigeren neueren Britcoms droht Ex-Avantgardist Coupling nicht nur in Vergessenheit zu geraten, sondern auch als Komik für zarte Bürgerseelchen zunehmend diffamiert zu werden. Nicht „edgy“ genug, wie man im GNTM-Deutsch sagt. Die Fans von Black Books, Peep Show und auch den in jeder Hinsicht minderwertigen Father Ted und IT-Crowd schauen auf Coupling herab.

Nein, cool ist diese Show wirklich nicht. Allerdings ist es von den genannten die Einzige, die bei mir noch immer zu echten Lachkrämpfen führen kann, auch beim jetzt sechsten Durchgucken. Dagegen stellt sich bei den anderen eher gehässige Amüsiertheit ein.

Teils liegt das sicher an der perfekt aufs komische Spektakel zugeschnittenen Hauptfigur der ersten drei Staffeln, Jeff Murdoch, der vorwegnimmt was die Nachfolgeserien perfektionieren und dabei wieder auf ein etwas weniger übertriebenes Maß herunterfahren: Das Lachen über soziale Unsicherheit und zumindest ans Krankhafte grenzende Denk- und Verhaltensmuster. Zu einem nicht geringen Teil kommt aber selbst Jeff dabei zugute, dass Coupling tatsächlich SitCom im Sinne des Wortes zelebriert. Situationskomik, die beim Zuschauer an die Reaktion des „Fuck, das könnte mir auch passieren, wenn ein paar Ereignisse dumm zusammenstoßen“, appelliert, und auch narrativ alles auf diese Form der Komik zuschneidet.

Coupling agiert vor allem alltägliche Antagonismen aus. Die härteren Nachfolger dagegen profitieren stark von voyeuristischen Effekten und je nach Zuschauertypus dem aktiven sich Abgrenzen von oder mitfühlen mit dem depperten Außenseiter. Man mag streiten, ob Momente wie der „Eimer voller Ohren“ lustig sind wegen Jeffs „Social Awkwardness“, oder nicht gar doch vor allem von der multiperspektivischen Erzählweise profitieren. Doch auch spätere jefflose Folgen halten das Niveau überraschend oft, und zwar besonders solange der Jeff-Ersatz Oliver spärlich zum Einsatz kommt. Ich verweise auf die Gespräche, die zum Song „Susan, the happy trotting Elf“ hinführen, oder die Sechsfach- Telefonkonferenz aus Nightlines.

Entsprechend schien es mir immer ein Fehler, Jeff überhaupt zu ersetzen. Steven Moffat hätte gut daran getan, in der letzten Staffel die Paar-Dynamiken noch konsequenter auszuspielen, statt eine neue Hauptfigur einzuführen. Coupling war in seinen größten Momenten die vielleicht beste klassische Sitcom. Das macht die späteren härteren Shows kein Stück schlechter, aber es geht ganz gerne einmal vergessen, wenn im Gespräch über Kunst und Kultur Werke vor allem herangezogen werden, um den eigenen sozialen Standort zu markieren.

Und die Tendenz, eher über menschliche Dummheit als gut inszenierte Konflikte recht alltäglicher Menschen zu lachen, mag nochmal eine eingehendere Analyse wert sein.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s