Das grüne Haus von Mario Vargas Llosa

Kurze Empfehlung:

Dieser zweite Roman des neben Marquez und Bastos ästhetisch konsequentesten Autoren in der Folge des “lateinamerikanischen Boom” ist Llosas erster Versuch an einem fiktionalen Text, der seiner parallel entwickelten Theorie des “Totalen Romans” gerecht wird. Mit seinen zahlreichen zwischen Piura und dem Amazonasgebiet verstreuten Schauplätzen ist Das grüne Haus deutlich zugänglicher als Das Gespräch in der “Kathedrale”, es kann geradezu in Häppchen genossen werden. Die opulente Sprache, der Bilderreichtum, befriedigen die Gelüste von Lesern, die in Literatur in erster Linie das Faszinierende, das Begeisternde suchen. Quasi nebenbei wird man in ein komplexes, polyphones, sehr durchdachtes Werk hineingesogen, dem ein Peru des Umbruchs – (hier der Urwald, wo westliche Händler, Kirche und Ureinwohner noch jenen verzweifelten Kampf kämpfen, dessen Sieger schon feststehen, dort die wie aus der Zeit gefallene Frontstadt Piura, dem Macondo Marquez’ nicht unähnlich, und als Abwesenheit schon drohend das moderne Lima des Gespräch in der “Kathedrale”) – aus jeder Pore trieft. In 5 Handlungssträngen, deren chronologische und geographische Verknüpfungen erst nach und nach deutlich werden erzählt Das grüne Haus von Missionaren, Glücksrittern, Guarani-Mädchen, die als Prostituierte enden, und von Sargento Lituma, der durch das gesamte Werk Llosas geistern wird. Im “Grünen Haus”, genauer in zwei grünen Häusern, den Bordellen des Don Anselmo und später der „Chunga“ laufen die Handlungsstränge zusammen oder aneinander vorbei.

Das grüne Haus ist bis heute der beste, wenn nicht sogar der einzige richtige Einstieg in jenen Teil des Gesamtwerk Llosas, das diesen zu einem der bedeutendsten Schriftsteller unserer Zeit macht. Spielerisch leicht in der Erscheinung, kompositorisch komplex in der Anlage: Ein Lehrstück auch darin, dass die Zusammenführung von geistig anspruchsvoller und erzählerisch mitreißende Literatur keine faulen Kompromisse erzwingen muss.

Bild: Green House at the Marketplace, zugeschnitten, John Hoey, (CC BY 2.0)

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2 Gedanken zu “Das grüne Haus von Mario Vargas Llosa

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