Konzertzugaben als Abschiedsszenen. Beispiel Golden Girls

Als meist eher anstrengend empfinde ich die ewigen Zugaben nach Konzerten. Die Musiker verlassen die Bühne, und wenn sie sich dazu irgendwo in einer engen Abstellkammer zusammen kuscheln müssen. Man klatscht, die Musiker kommen noch einmal hervor, spielen noch einmal etwas, oder verbeugen sich noch einmal, gehen wieder, man klatscht, usw. Das ist deshalb etwas, das man eher erträgt als feiert, weil es sich in einer ritualisierten Weise verselbstständigt hat, die mit dem Enthusiasmus der dahinter stehen sollte oft nur noch wenig zu tun hat. Denn tatsächlich bildet eine ernstgemeinte Forderung nach Zugabe, eine ernstgemeinte Wiederkehr Abschiedsszenen zwischen Liebenden nach, und kann wo das Ritual noch nicht alles überlagert emotional ähnlich bewegend sein. Dies drängte sich mir ausgerechnet nach der letzten Folge der Golden Girls auf, einer Show die auch heute noch mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

Hier verbinden die Autoren beides: Das Spiel von Gehen und Wiederkehr für das damals noch live anwesende Studiopublikum, und den sich hinziehenden Abschied zwischen den verbleibenden Girls und Dorothy. Man stelle sich nun einmal eine Zeit vor, in der musikalische und theatralische Darbietungen vielleicht alle paar Monate oft die einzigen Lichtblicke in einem ansonsten schweren und düsteren Leben waren. Dann wird verständlich, wo das Ritual herkommt und wie ernst gemeint das Zurückrufen derer, die dem Publikum einige freudige Stunden verschafft haben, urspünglich einmal war.

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