Die Taz tut Wagner unrecht. Von der Verkitschung

So sehr es erfreut, dass mit Jan Wagner ein Lyriker auf der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde, so traurig ist es, dass in den Feuilletons sogleich wieder die abgeschmacktesten Klischees über Lyrik bedient werden. Zum Beispiel in der Taz:

„Jan Wagner ist ein Reisender in der Tradition der Romantiker, ein Wanderer, der die „kleinen“ Dinge vor sich sieht“

Nichts liegt der wagnerschen Lyrik ferner als Romantik, man betrachte dahingehend nur mal das online zugängliche Gedicht nature morte. Hier wird eine erst naturalistisch anmutende Szene mit dem Skalpell zerlegt, auf ihre Komposition, ihre Beziehung zur Welt, geprüft, so dass am Ende von der möglichen Idyllik ähnlicher Konstellationen nichts übrig bleibt. Man beachte auch die Nüchternheit, mit der der Autor sein Werk vorträgt. Da ist keine Verklärung, kein romantischer Gefühlsüberschwang, nur Durchdringung des Gegenstands.

Romantiker? Wagner hat das Zeug zum Klassiker.

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